Kaum ein einheimisches Reptil hat so unter unseren Vorurteilen zu leiden wie die Blindschleiche.
- Denn die Blindscheiche ist weder blind, noch schleicht sie.
- Sie ist keine Schlange, sie ist weder giftig, noch beißt sie.
- Sie frisst auch keine Fische und Frösche, sondern Nacktschnecken, Würmer und andere langsam kriechende Wirbellose.
Blindschleichen sind nicht gefährlich
Nein, Blindschleichen sind für Menschen völlig harmlos. Sie haben zwar spitze und recht scharfe Zähne, sind aber nicht bissig.
Leider gilt dies nicht umgekehrt: Menschen bedeuten für viele Blindschleichen immer noch den Tod. Entweder werden sie aus Angst, es könnte eine Schlange sein, erschlagen. Oder die Blindschleichen sonnen sich in den Abendstunden auf dem noch warmen Asphalt der Straße und werden dabei von einem Auto überfahren.
Und das ist dann oft am nächsten Morgen unsere erste oder gar einzige Begegnung mit einer Blindschleiche, tot und platt-gefahren.
Dabei sind Blindschleichen gar nicht selten, sondern recht häufig und halten sich oft in unserer nächsten Umgebung am Haus oder im Garten auf. Doch sie sind scheu und halten sich meist versteckt.
Was machen Blindschleichen am Teich?
Blindschleichen führen tagsüber meist ein verborgenes Leben. Deswegen sind Blindschleichen viel häufiger und weiter verbreitet, als man annimmt.
Sie müssen sich vor vielen Fressfeinden – Reihern, Störchen, Greifvögeln, Raben, Kreuzottern und Glattnattern, sogar Haushühnern und Katzen und leider auch immer noch vor dem Menschen – versteckt halten.
Außerdem brauchen Blindschleichen wie viele Reptilien eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit. Deshalb halten sie sich gerne im Halbschatten in leicht feuchtem Gelände zwischen Moos, unter Farnkraut oder im modrigen Totholz, in Mooren, auf Feuchtwiesen und auch am Gartenteich auf – vorausgesetzt sie finden auch dort am Teichrand Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten.
Im Sommer gehen die Blindschleichen deshalb erst in der Abenddämmerung oder in den frühen Morgenstunden auf Nahrungssuche, wenn die Luftfeuchtigkeit relativ hoch ist.
Fressen Blindschleichen Frösche und Fische?
Blindschleichen können zwar schwimmen und sogar tauchen, sie machen aber im Gartenteich keine Jagd auf Frösche oder Fische. Dazu sind sie einfach auch viel zu langsam.
Sie ernähren sich stattdessen vor allem von Nacktschnecken, Würmern, anderen langsam kriechenden Insekten, Asseln und Tausendfüßlern. Denn diese Wirbellosen sind ebenfalls dämmerungsaktiv.
Die Beute wird von der Blindschleiche mit ihren spitzen, schräg nach hinten stehenden Zähnen gepackt, festgehalten und dann ganz langsam zerkaut und Stück für Stück geschluckt. Das kann ein Viertelstunde dauern.
Hinweis
Nach dem Fressen wischt sie die Blindschleiche ihr Maul durch seitliche Kopfbewegungen am Boden von den Schleim- und Schmutzresten ab.
Wie vermehren sich Blindschleichen?
Das Blindschleichen-Weibchen legt auch keine Eier wie eine Schlange, sondern gebärt die 7 bis 9 cm langen Jung-Schleichen mit einer hauchdünnen Eihaut, die diese sofort durchstoßen und sich dann frei bewegen können.
Ein Eigelege wird man deshalb im Umfeld der Blindschleichen vergeblich suchen.
Ende März/Anfang April erwachen die Blindschleichen aus ihrer Winterruhe, die sie meist in dem verlassenen Bau einer Feldmaus oder eines anderen Nagetiers verbracht haben. Mit den im Frühjahr rasch ansteigenden Luft- und Bodentemperaturen erwacht bei den Blindschleichen auch ihr Fortpflanzungstrieb und sie paaren sich.
Dazu verbeißt sich das Männchen am im Nacken des Weibchens, dreht sich dann so, dass beide Bauchunterseiten und die Kloaken- und Geschlechtsöffnung dicht aneinander liegen und das Weibchen besamt werden kann.
Nach etwa 3 Monaten gebiert das Weibchen die 8 bis 12, etwa 7 bis 9cm lange Jungtiere.
Diese Jung-Schleichen sind silbern oder golden gefärbt. Dann können ihre Rücken im Sonnenlicht intensiv glänzen, fast blenden – daher wohl auch der Name Blend-, bzw. Blindschleichen – eine Anlehnung an das althochdeutsche ?Blint? für blendend! Entlang der Rückenlinie haben sie außerdem einen schwarzen Aalstrich.
Ihre Flanken und die Bauchunterseiten sind dagegen eher unauffällig grau oder dunkel gefärbt. Erst im Alter von 3 bis 5 Jahren werden sie geschlechtsreif und können ihrerseits für Nachwuchs sorgen.
Viele Weibchen behalten diese Jugendfärbung mit dem hellen Rücken und dem typischen, schwarzen Aalstrich ihr Leben lang bei.
Bei den ausgewachsenen Männchen kann die Körperfärbung variieren, ihnen fehlt aber immer der schwarze Aalstrich auf dem Rücken. Stattdessen können sich bei ihnen mit zunehmendem Alter zusätzlich blaue Tüpfel bilden.
Einen Lebensraum für Blindschleichen am Teich schaffen
Da auch Nacktschnecken eine Umgebung mit ausreichender Luft- und Bodenfeuchtigkeit bevorzugen – also ähnliche Milieubedingungen wie die Blindschleiche, treffen sie auch am naturnah angelegten Gartenteich mit üppiger Randvegetation häufig aufeinander. Deshalb gehören die Nacktschnecken zu den bevorzugten Beutetieren der Blindschleichen.
Doch nicht nur weil sie sich auf diese Weise im Garten ausgesprochen nützlich machen, sollten wir ihnen als Gärtner dankbar sein. Denn auch wenn die Blindschleiche streng geschützt ist, sie hat viele Feinde und braucht unsere Hilfe zum Überleben. Und diesen Schutz können wir ihr vor allem rund um einen Naturteich mit einer üppigen Ufer- und Randbepflanzung bieten.
Um Blindschleichen auf Dauer am Gartenteich anzusiedeln, schaffen wir ihr Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten in Ufernähe: Das kann eine große Wurzel aus Moorkienholz sein, unter der sich die Blindschleiche in den weichen Boden halb eingegraben kann. Oder auch ein größerer, hohl aufliegender Stein, unter dem sie zurückziehen kann. Oder sie nimmt ein Sonnenbad auf der flachen Oberseite des Steins.
Geradezu magisch angezogen wird die Blindschleiche aber von einem nicht völlig lückenlos in der Erde eingegrabenem Rand einer Teichfolie. Denn dort ist es dunkel, warm und feucht.
Hat die Blindschleiche erst einmal einen passenden Unterschlupf in Teichnähe gefunden, dann wird sie dort auch lange Zeit bleiben. Denn Blindschleichen sind sehr standorttreu und verlassen nur ungern ihr angestammtes Revier. Selbst wenn ein Revierwechsel unvermeidlich wird oder wenn sie nach einem passenden Winterquartier suchen, bleibt ihr Aktionsradius meist auf 10 bis 20 m beschränkt.
Wie bereits eingangs erwähnt, Blindschleichen können gut schwimmen. Dabei bewegen sie sich auch im Wasser schlängelnd vorwärts. Egal, ob die Blindschleiche das Wasser selbst aufgesucht hat oder versehentlich dort hineingefallen oder – gerutscht ist: Sie haben oft Schwierigkeiten wieder ans Ufer zu klettern. Denn unsere Folien- oder Fertigteiche haben meist ein steiles Uferprofil.
Unser Tipp
Blindschleichen brauchen, wie viele andere Reptilien und auch Amphibien, eine Ausstiegshilfe in Form einer flach ansteigenden Rampe aus Holz oder einer anderen rutschfesten Unterlage aus dem Teich.
Was unterscheidet Blindschleichen von Schlangen?
Die Blindschleiche ist eine Echse ohne Füße. Das mag uns Mitteleuropäern ungewöhnlich erscheinen. Doch bereits im Mittelmeerraum gibt es mindestens 5 weitere Echsenarten ohne Beine, und weltweit sind es sogar mehr als 70 Arten, die die Familie der Schleichen bilden.
Die Blindschleiche bewegt sich schlängelnd vorwärts und bei Gefahr rollt sie sich zusammen – wie eine Schlange. Doch sie ist keine Schlange! Im Unterschied zu Schlangen ist der Kopf der Blindschleiche nicht vom Rumpf abgesetzt, ebenso wenig wie ihr Schwanz, der Zwei Drittel der bis zu 50 cm langen Blindschleiche ausmacht. Nur bei einem trächtigen Weibchen ist der Schwanz etwas stärker vom Hinterkörper abgesetzt.
Und wenn die Blindschleiche von einem ihrer Fressfeinde am Schwanz gepackt wird, dann kann sie ihn einfach an einer dafür eigens vorgesehenen Sollbruch-stelle abwerfen und so entkommen. Daher rührt wohl auch ihr wissenschaftlicher Name Anguis fragilis ? ?Zerbrechliche Schlange?.
Allerdings wird der Schwanz später nicht wieder zu voller Länge regeneriert, sondern es entwickelt sich nur noch ein kurzer Stumpf. Doch gebrechlich sind Blindschleichen keineswegs – sie können bis zu 50 Jahre alt werden!
Im Unterschied zu Schlangen ist das Schuppenkleid der Blindschleichen mit seinen Hornschuppen auf der Ober- und Unterseite des Körpers gleich.
Blindschleichen können im Nahbereich einige Meter weit sehen. Allerdings sind sie farbenblind und haben auch Schwierigkeiten, verschiedene Graustufen voneinander zu unterscheiden. Blindschleichen haben kleine, offene, aber mit einem Lid verschließbare Augen – im Gegensatz zu Schlangen mit ihrer durchsichtigen, aber milchig-trüben, weißlich-grauen Haut aus den zusammengewachsenen Lidern über dem Auge.
Während Schlangen andere Lebewesen auch über Bodenerschütterungen wahrnehmen, können Blindschleichen sogar recht gut hören, da sie einen offenen Gehörgang haben.
Ähnlich wie Schlangen orientieren sich Blindschleichen hauptsächlich mit Hilfe ihres Geruchssinns. Dazu züngeln sie, allerdings nicht wie die Schlangen durch ihre Nasengruben bei geschlossenem, sondern mit leicht geöffnetem Maul.