Grundsätzlich gibt es zwei Varianten, eine Trockenmauer anzulegen:
- Einseitig als Stützmauer zur Hangsicherung
- Beidseitig als freistehender Trockenmauerwall
Diese zweite Variante setzt jedoch einige Erfahrung im Trockenbau von Mauern voraus, wie man sie beispielsweise überall in Irland zur Grundstücksbegrenzung findet.
Außerdem ist eine einseitige Trockenmauer, die an einem Hang oder einer Böschung angelegt ist, besser als Lebensraum für Reptilien geeignet. Denn bei einer solchen Trockenmauer können Nischen, Gänge und Höhlen weiter in den Hang hineingebaut werden, sodass hier auch größere Reptilien wie die Schlingnatter genügend Platz finden.
Beschränken wir uns also im Weiteren auf den Bau einer für Reptilien geeigneten, einseitigen Trockenmauer.
Erste Voraussetzung ist ein Hang
Eine einseitige Trockenmauer lehnt meist in leichter Schräglage an einen Hang. Das ist eine „Win-Win-Situation“ für beide: Die Trockenmauer kann an den Hang lehnen, sonst würde sie bald einstürzen. Gleichzeitig dient sie zur Stabilisierung des Hangs und schützt ihn vor Hang- und Erdrutschen.
Die erste Voraussetzung für die Anlage einer solchen Trockenmauer wäre ein bereits im Garten vorhandener Hang mit natürlicher Geländeneigung. Es kann aber auch eine Aufschüttung für eine erhöht liegenden Terrasse oder eine Gartentreppe sein. Oder man häuft im Steingarten einen größeren Hügel auf, den man dann mit einer Trockenmauer vor dem Abrutschen sichern kann.
Damit sich die sonnenhungrigen und wärmeliebenden Reptilien auf und in der Trockenmauer wirklich wohlfühlen, sollte ihre Frontseite nach Süden zeigen.
Das Baumaterial
Grundsätzlich besteht eine Trockenmauer aus aufeinander geschichteten Blöcken aus dem Baustoffhandel oder einem Steinbruch, selbst gesammelten Natursteinen oder aus Ziegel- und Sandsteinen aus einem Hausabriss.
Wichtig ist, dass man beim Aufbau bei einer Sorte Steinmaterial bleibt – nicht aus optischen, sondern auch aus Stabilitätsgründen. Denn eine Trockenmauer wird grundsätzlich aus losem Material aufgeschichtet, also ohne Mörtel oder Zement zu verwenden. Schwere Blöcke und flache Platten müssen so kombiniert und zusammengefügt werden, dass die einzelnen Elemente nicht mehr verrutschen und die Mauer stabil bleibt.
Das Fundament
Auch das Fundament einer Trockenmauer wird nicht aus Beton gegossen, sondern standsicher aus Naturmaterial angelegt. Bei einer niedrigen Trockenmauer von bis zu einem halben Meter Höhe reicht es, wenn man einen flachen Graben aushebt, die Sohle feststampft und verdichtet und dann mit Kies füllt. Darauf kommt dann die erste Lage möglichst schwerer, dicker Steine mit ihrer glatten Seite nach unten.
Eine bis ein Meter hohe Trockenmauer braucht eine stabilere Verankerung im Boden. Dazu wird der Graben 40 bis 50 cm tief ausgehoben und dann soweit mit Steinen, Schotter oder Kies aufgefüllt, dass die unterste Steinlage der Mauer nur einige Zentimeter über das Bodenniveau hinausragt.
Noch höhere Trockenmauern brauchen dann doch ein solides Fundament aus Beton.
Der weitere Aufbau der Trockenmauer
Damit die Trockenmauer wirklich stabil bleibt und gegen Auswaschungen bei Starkregen und dem Erddruck des hinter der Mauer liegenden Hang standhält, sollten einige Punkte eingehalten werden:
Punkt 1: Zu unterst kommen die größten und schwersten Steine.
Punkt 2: Die Trockenmauer wird nicht senkrecht, sondern mit einer Neigung von bis zu 20 cm zum Hang hin aufgebaut.
Punkt 3: Sogenannte Binder oder Anker-Steine verzahnen die Mauer mit dem dahinter liegenden Hang. Dazu werden größere und lange Steine im rechten Winkel zur Mauer so eingefügt, dass sie möglichst tief ins Erdreich des Hangs hineinreichen. Das ist zumindest bei Mauern mit mehr als einem halben Meter Höhe unbedingt notwendig.
Punkt 4: Die Trockenmauer wird Schicht für Schicht in alt bewährter Weise wie eine Mauer aus Ziegelsteinen angelegt. Dazu werden Steine auf Stoß, aber nie auf Kreuzfugen eingesetzt.
Punkt 5: Selbstverständlich sollten auch einzelne Steine nie hochkant eingesetzt werden. Eine Ausnahme sind nur größere, quadratische Quader.
Punkt 6: Damit die Trockenmauer später auch ausreichend Unterschlupf in Form von Nischen und Höhleneingängen für die Reptilien bietet, werden einzelne Steine nicht auf Stoß an Stoß gesetzt, sondern in einem Abstand von 10 bis 15 cm.
Die Dränage-Schicht
Zwischen die Rückseite der Trockenmauer und der Böschung oder Hangseite legt man am besten eine wenige Zentimeter breite Dränage-Schicht aus Feinkies und Sand, in der Regen- und Gießwasser ablaufen und versickern kann. Zusätzlich kann außerdem auf dem Boden der Dränage-Schicht ein Dränagerohr verlegt werden, welches das überschüssige Wasser seitlich abliefert.
Die Mauerkrone
Den oberen Abschluss der Trockenmauer bildet die Mauerkrone. Da diese bei einer einseitig angelegten Trockenmauer recht schmal ist und andererseits für die sonnenhungrigen Reptilien der wichtigste Platz zum Sonnenbaden und Aufwärmen ist kann man die Mauerkrone stellenweise verbreitern, indem zwischen die Steine des Mauerabschluss ein, zwei breite, flache Steinplatten legt, die bis auf die Böschungskrone oder den Hangabschluss ragen.
Anlage und Ausstattung von Nischen und Höhlen
Kleinere Nischen kann man wie oben beschrieben zwischen zwei Steinen einer Reihe anlegen. Dies kann aber auch der Eingang zu einer tief in den dahinter liegenden Hang reichenden Höhle bilden. Solch eine Höhle kann beispielsweise von der Schlingnatter als Rückzugs- und Überwinterungsmöglichkeit genutzt werden.
Der Gartenfachhandel bietet auch vorgefertigte Nischen und Höhlen, die man in eine Trockenmauer einsetzen kann.
Beleuchtung und Lichtakzente
Optisch sehr attraktiv wirken schwach leuchtende Lichtakzente, die man in besonders tiefe Stellen zwischen Steinbrocken anbringt. Hierzu eignet sich eine rustikale Zaunbeleuchtung. Dadurch tritt die Steinmauer während der Dämmerung und der Abendstunden stärker in Erscheinung und verleiht dem ganzen Garten ein rustikales, aber zugleich harmonisches Ambiente.
Idealerweise überlegt man sich bereits vor dem Bau der Trockenmauer an welchen Stellen besonders exponierte Steinbrocken oder kleine Höhlen platziert werden. So lässt sich zuvor ein Beleuchtungsplan erstellen und so die Stromkabel bereits zwischen den Steinbrocken verlegen. Hierzu sollten jedoch spezielle Erdkabel verwendet werden, die dem Druck der Steinplatten auch lange Zeit stand halten. Der Fachelektriker berät sicher gerne bei einem solchen Projekt.
Bepflanzung einer Trockenmauer
Eine Vielzahl von Steingartenpflanzen eignen sich hervorragend für die Bepflanzung der Mauerkrone und in den Lücken zwischen den Steinen der Trockenmauer.
Dabei sollte man vor allem Pflanzenarten wählen, die reichlich und lange blühen und so fliegende Insekten anlocken, die dann von den Eidechsen erbeutet und gefressen werden können.
Folgende, verhältnismäßig niedrig bleibende Polsterpflanzen eignen sich für die Bepflanzung der Mauerkrone:
- Blaukissen Aubretia-Hybrideblau-violett blühend im April
- Pflaumenfetthenne Sedum cauticulum ‚Robustum‘ – rot blühend im September/ Oktober
- Polsterphlox Phlox douglasii – rote Blüten im Mai
- Schleifenblume Iberis sempervirens – weiße Blüten im April/Mai
- Sonnenröschen Helinathum-Hybriden – gelbe Blüten zwischen Mai und Juli
- Steinquendel Calamintha nepeta nepeta – weiß blühend Juli – Oktober
- Walzenwolfsmilch Euphorbia myrsinites – gelbe Blüten im Mai/Juni
- Zwergthymian Thymus serpyllum ‚Coccineus‘ – rot blühend
Hinter die Trockenmauer, also auf der angrenzenden Böschung oder dem Hang kann man als Abschluss des Lebensraums Trockenmauer einige größere Pflanzen setzen.
Größere Pflanzen für die Trockenmauer:
- Engadinweide Salix hastata ‚Wehrhahnii‘ – weiße Blüten im April
- Fingerstrauch Potentilla fruticosa – je nach Sorte weiß, gelb oder orange blühend
- Kugellauch Allium sphaerocephalum – violette Blüten im Juli/August
- Prachtkerze Gaura lindheimeri – pinkfarbene Blüten zwischen Juni und Oktober
Zur Bepflanzung der Mauerfugen eignen sich:
- Blaukissen Aubretia–Hybriden – blau/rot blühend im April/Mai
- Gänsekresse Arabis spec. Weiß/rosa blühend im April/Mai
- Hauswurz Sempervivum-Arten rosa oder rot blühend im Juni/Juli
- Hungerblümchen Draba aizoides gelb blühend im April
- Mauerpfeffer Sedum-Arten weiß oder gelb blühend zwischen Mai und Juli
- Steinkraut Alyssum saxatile gelb blühend zwischen April und Juli